Mittwoch 08.04.2026 tür 19:30 beginn 20:30
Kantine am Berghain
Jakob Dobers
- JetztJakob Dobers Live
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„Und der Sommer vor der Tür scheint nie mehr fortzugehen, vor lauter Helligkeit und Schönheit ist die Angst fast nicht zu sehn, sie versteckt sich in den Schatten, und wenn es Nacht wird macht sie Licht, aber weil sie hier schon lange wohnt, erschüttert mich das nicht.“,
singt Dobers in „Die Helligkeit“ – dem zweiten Song seines neuen Albums „Signale“, welches Anfang April erscheint.
Überhaupt handelt die Platte vor allem von dem, was sich hinter den Fassaden abspielt, und davon, was sich die Menschen in ihrem Alltag bei ihren Begegnungen so erzählen, um nicht darüber sprechen zu müssen, was ihnen gerade wirklich Angst macht.
Aber anders als wütende Agit-Prop-Songwriter wie etwa Billy Bragg, bleibt Jakob Dobers immer ein freundlicher, vorsichtiger Beobachter und versucht vor allem, seiner allgemeine Verwunderung einen Ausdruck zu verleihen. Ein surrealer Wimmelbild-Pop, der seine Protagonist:innen einfach nicht verraten will. Wenn man möchte, kann man hier durchaus eine Seelenverwandtschaft mit dem Leipziger Musiker Florian Sievers festzustellen, der sich als Das Paradies seit vielen Jahren in und aus ganz ähnlichen Nischen heraus bewegt, und dieses Album zusammen mit Jakob Dobers aufgenommen, eingespielt und produziert hat. Robert Kretzschmar am Schlagzeug und Josepha Conrad am Bass bilden auf dem Album im spielerischen Dialog eine äußerst entspannte Rhythmus-Fraktion.
Der „Signale“-Sound ist dabei sehr leichtfüßig, minimalistisch und offen: Indie-Folk-Pop! Mit kleinen psychedelischen Signalen aus der Echokammer. Dobers und Sievers lassen in den Liedern aber auch ihren Soundspielereien sehr viel Raum. Was sehr angenehm ist in einer Welt, die täglich mit so unfassbar vielen Informationen geflutet wird, in der nahezu jeder Mensch mit seinem lauten Gebell an der Oberfläche für Aufmerksamkeit sorgen muss.
„Und in den Gesprächen, häuften sich Fragen, und da war auch die Sehnsucht, wir gehen einfach zurück, und einige dachten, man darf gar nichts mehr sagen, und sagten es trotzdem, doch es brachte kein Glück!“, singt Jakob Dobers an anderer Stelle in Richtung derer, die es sich seit ein paar Jahren vor allem zum Thema gemacht haben, auf den Umstand hinzuweisen, dass man ihrer Meinung nach einfach nicht mehr das sagen dürfe, was man denkt.
Aber es ist toll, dass auch diese Leute in Dobers Welt nicht einfach vorgeführt werden. Er wundert sich lieber weiter über die vollständig an- wie abwesende, widersprüchliche, urbane Dorfgemeinschaft. Am meisten aber wundert er sich dabei über sich selbst.
Jakob Dobers ist schon lange mit unterschiedlichsten Bands und Projekten in der Berliner Musikszene unterwegs. Sowohl als Singer/Songwriter (Solo-Debüt "Der Rest vom Licht" 2020 auf Staatsakt), als auch als eine Hälfte des Indiepop-Duos Sorry Gilberto (4 Platten bei Goldrausch-Records und bei Solaris Empire). Ausserdem spielte er 12 Jahre lang als Gitarrist bei Freddy Fischer & His Cosmic Rocktime Band (drei Platten und diverse Singles bei Sounds of Subterrainia), war Sänger und Texter bei Zimtfisch (4 Platten bei Kook und What’s so funny about...) und ist assoziiertes Mitglied des Schaumstoff-Puppen-Musik-Kollektivs DAS HELMI.
Eine Veranstaltung von amSTARt