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Freitag 26.06.2026 tür 20:00 beginn 21:00

Halle

Orchestral Sessions: Werke für Orchester von Giacinto Scelsi & Avi Caspi

  • Dirigent: Avi Caspi
  • Trompete: Rike Huy
  • Violine: Grégoire Simon

Tickets

46,50€ via Berghain

Das Eröffnungskonzert der zweiten Saison von Orchestral Sessions inszeniert das Orchester als lebendigen Körper physischer Klangkraft. In völliger Dunkelheit aufgeführt, entfaltet sich das Programm als kontinuierliche Transformation von Energie und Dimension. Im Zentrum dieses Abends steht Giacinto Scelsi (8. Januar 1905 – 8. August 1988), dessen Auseinandersetzung mit Poesie, bildender Kunst, östlicher Mystik, Yoga und dem Unbewussten eine musikalische Praxis radikaler Experimentierfreude, Improvisation und der Suche nach dem unbedingten Zustand prägte, den er als Zen-Leere beschrieb. In der klangvollen Architektur der Halle am Berghain erklingen seine Werke als ein radikaler Zustand von Vibration und Spannung. Von der Stille der Trompete über die Dichte der Blechbläser bis hin zur schwebenden Strahlkraft des gesamten Orchesters führt das Programm die Zuhörerenden über passive Beobachtung hinaus in einen Raum, in dem Klang, Architektur und Wahrnehmung verschmelzen.

Das Programm beginnt mit „Quattro Pezzi“ (Vier Stücke für Solo-Trompete), gespielt von Rike Huy. Hier dehnt sich der musikalische Körper aus: von der Solo-Trompete zum Blechbläserensemble, zur Violine und zum Orchester, von einem Körper zu vielen und schließlich wieder zu einem.

„I presagi“ gehört zu einer Gruppe von Werken, die von Scelsis Interesse am Untergang der Maya-Zivilisation geprägt sind. Er entwickelte die Überzeugung, dass Maya-Städte nicht einfach verlassen, sondern bewusst aus spirituellen oder religiösen Gründen aufgegeben wurden. Anders als viele von Scelsis rätselhafteren Titeln ist „I presagi“ in seiner Bedeutung eindeutig: Die Vorzeichen. In seinen drei Sätzen beschwört das Stück, ausschließlich mit instrumentalen Mitteln, eine Welt der Vorahnung, der Unruhe und des kulturellen Verschwindens herauf.

„Anahit“, für Orchester und Solovioline gesetzt und hier mit Grégoire Simon als Solist aufgeführt, greift weder die traditionelle Konzertform auf noch verwirft es sie; stattdessen dringt es in einen ambivalenten Raum zwischen narrativer Entwicklung und Abstraktion vor. Das Werk mit dem Untertitel „Lyrisches Gedicht der Venus“ gewährt einen Einblick in Scelsis intensives Erwachen zur gewaltigen inneren Kraft des Klangs, seine Entdeckung eines überwältigenden Gefühls der Ewigkeit in einem einzigen Ton. Vor dem schimmernden, unbeständigen Klang des Ensembles verleiht das glitzernde Leuchten der Violine dem sonst Unfassbaren Kontur: einer strahlenden Präsenz, eines weiblichen Prinzips, das sich aus jeglicher Begrenzung befreit und in vollkommener Bewegungsfreiheit entfaltet.

Der Abend beinhaltet außerdem ein neues Werk von Avi Caspi, „Tacet Mare“, das hier als Weltpremiere präsentiert wird.

Die Ticketanzahl ist begrenzt!

Programm:

Giacinto Scelsi: Quattro pezzi for trumpet solo
I presagi
Anahit - a “Lyric Poem Dedicated to Venus”
Avi Caspi: Tacet Mare (Weltpremiere)