Tuesday 03.11.2026 doors 19:00 start 20:00
Kantine am Berghain
Zoh Amba
- NowZoh Amba Live
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"Eyes Full" ist Zoh Ambas Songwriting-Debüt und zugleich die erste Veröffentlichung bei Matador. Nachdem sich Amba (they/them) als Saxophonist:in der New Yorker Freejazz-Szene etabliert hatte und bald weltweit auf entsprechenden Festivals auftrat, führen nun alle Wege zurück zum ersten Instrument: der Gitarre. Und in Ambas Heimatstadt Kingsport in Tennessee. Die Musik auf "Eyes Full" mit ihrem schlingernden Blues und Appalachian-Folk-Einflüssen ist unverkennbar mit diesem Ort verbunden; strahlt direkt aus seiner Seele.
Die Songs auf "Eyes Full" verhandeln das Gesehenwerden. Das Sehen selbst. Sie richten ihren Blick auf die Arbeiter der Kleinstädte, die sich mühen und nach Erlösung suchen. "Ich hoffe, diese Songs berühren", sagt Amba. "Sie handeln von Menschen, die unbedingt gesehen und gehört werden müssen." Lange versuchte Amba eine Identität abseits der eigenen Herkunft zu finden: Aufgewachsen in den Bergen Tennessees, ging Amba mit 17 Jahren nach San Francisco und zog kurz darauf nach New York City. Doch egal, wie weit man rennt, die Heimat schlingt sich immer wieder um die eigenen Knöchel. "Es holt dich ein", erzählt Zoh Amba mit einem kräftigen, nicht länger versteckten Südstaatendialekt. "Du musst dich damit auseinandersetzen."
Das Debütalbum wurde live und ohne Overdubs in den Drop of Sun Studios in Asheville, eine Stunde von Ambas Heimatstadt entfernt, aufgenommen. Ambas bester Freund Kevin Hyland spielt E-Gitarre während der legendäre Jim White, den Amba vor Jahren auf den Straßen New Yorks kennengelernt hatte (und heute als das bezeichnet, was einer Familie je am nächsten kam) die Drums übernimmt.
Die Musik klingt, wie von Moonshine-Schnaps berauscht, Ambas Stimme knurrend und wütend. Die Rhythmusgitarre verlangsamt sich und nimmt dann wieder Fahrt auf, bis sie zu entgleisen droht. Der Wechsel zwischen Zärtlichkeit und roher Energie kommt oft unvermittelt, die Zähne blitzen – dann herrscht Stille. Wie im samtig-schlaftrunkenen "Emahoy", bei dem Amba mit ungeschützter Zärtlichkeit über die Traurigkeit singt, die in der Seele tanzt.
"Eyes Full" ist eine Lektion darin, wie man sieht und offen bleibt für das Universum und all die Seelen, die darin leben. Durch Ambas Blick gibt das Album denen Geist und Würde zurück, die oft übersehen oder verdrängt werden. Auf "Eyes Full" singt Amba für Menschen, die sich nur selten mit Zärtlichkeit gespiegelt sehen. Es trägt eine schmerzliche Empathie in sich für die, die an den Rand gedrängt wurden, für jene, die abstumpfen oder den Kontakt zu ihrem inneren Selbst verlieren. Die Songs bestehen darauf, hinzusehen. Und den Blick der anderen zu erwidern, ohne wegzuschauen.
A concert from Puschen